RECAP: MELT FESTIVAL 2015

Zack und verliebt. So, oder so ähnlich, könnte man mein erstes Melt!-Festival schlicht und einfach zusammen fassen. Während Pietz bereits in der Vergangenheit die Chance hatte, eine der vielversprechendsten Veranstaltungen am deutschen Festivalzenit zu besuchen, konnte ich mich in diesem Jahr erstmals selbst von davon überzeugen. Denn erstmals machte ich mich auf Einladung unserer Freunde von Warsteiner auf den Weg nach Ferropolis – zusammen mit weiteren Bloggi-Freunden von Electru, Lucy vs. The Globe und PonyDanceClyde. Doch von Anfang an.

Freitag, 19 Uhr. Nach zweistündiger Autofahrt von Berlin, erreichen wir unser Hotel in Dessau. Viel Zeit für eine kleine Erfrischung, oder ein Schläfchen blieb uns nur leider nicht. Noch bevor wir einchecken konnten, saßen wir bereits im Shuttle zum Festivalgelände. An einer viel zu langen Schlange am Ticketschalter überrannte uns zunehmend die traurige Gewissheit: wir werden Jamie XX, der 21 Uhr spielen wird, sicherlich verpassen.  Das ist unverzeihlich Martin, hämmerte ich mir ein und setzte alle Hebel in Bewegung, mein Festivalband doch zu erhalten, bevor Jamie die Melt! Selektor Stage übernimmt. Gesagt, getan. Pünktlich 21 Uhr stehe ich am Strand vor der Bühne, während Jamies Song „Seesaw“ den überfüllten Floor langsam in Schwingung versetzt. Gänsehaut.

>
IMG_0683.jpg

>
IMG_0691.jpg

>
IMG_0716.jpg

>
IMG_0741.jpg

Während die Sonne über Ferropolis untergeht, dropt Jamie einen Hit gefolgt von dem nächsten, bis schließlich nahezu jeder im Chorus von „I Know There’s Gonna Be (Good Times)“ mitsingt und die Hände  Richtung rot gefärbten Himmel streckt. Ein geglückter Festivalauftakt, der sogleich von Bonobo in die verdiente Verlängerung geschickt wird. Wir lauschen weitere zwei Stunden einem der wohl besten DJ’s da draußen, der gerade so greifbar nah ist und können abermals unser Glück kaum fassen.

Mit einem flauen Gefühl im Magen geht es vorbei an den riesigen Metallkolossen zur Mainstage, auf der in wenigen Minuten der Piano-Virtuose Nils Frahm live spielen soll. Warum ich ein flaues Gefühl habe? Klar, 1 Uhr Nachts, zu einer Zeit bei dem viele lieber ihre Hüften im 4/4-Takt schwingen wollen – Primetime – könnte es ein Nils Frahm, der es gerne mal etwas ruhiger angehen lässt, schwer haben. Nach weiteren 30 Minuten darf ich glücklicherweise feststellen, dass meine Bedenken absolut unberechtigt waren. Die Mainstage ist gefüllt, das Publikum 110% bei Nils Frahm und der frenetische Applaus beweist abermals, dass klassische Musik so verdammt sexy sein kann. 

>
IMG_0762.jpg

>
IMG_0779.jpg

>
IMG_0780.jpg

>
IMG_0796.jpg

Was auf der Mainstage folgt ist nicht weniger beeindruckend, denn der Australier Flume lässt tief in seine Future Classics blicken und zeigt, wie Rhythmus und Melodie in einem Hit zusammen arbeiten müssen. Dabei erinnert er in seinem Sound an ein Schwergewicht aus der UK-Szene: SBTRKT. Und das nicht nur durch die Integration von R&B-Sounds. Noch einen Zacken hip-hop-lastiger wird es schließlich mit Hudson Mohawke, der erst vor wenigen Wochen sein neues Album releaste. Und so wurde nach einem aufregenden, ersten Tag „Ryderz” der bittersüße Lullaby-Song, der uns noch ein letztes Mal alles abverlangte, aber schließlich unser Gute-Nacht-Song wurde.

>
IMG_0814.jpg

>
IMG_0848.jpg

>
IMG_0851.jpg

>
IMG_0765.jpg

Den folgenden Tag starten wir damit, das vielfältige Rahmenprogramm des Melt! Festivals in vollen Zügen auszukosten. Auf dem Playground des Festivalgeländes besuchten wir die Sneaker Freaker Block Party, die Einraumdisco und schließlich auch die perfekt ausgestatte Warsteiner Backstage Area auf dem Campingplatz. Neben dem Dancefloor selbst, war sicher die große XXL-Erfrischungsdusche das Highlight dieser kleinen und zuckersüß gestalteten Area, weit abseits von den großen Bühnen der Stadt aus Eisen gelegen.

Gut erholt ging es so zum späten Nachmittag zurück zum Sleepless-Floor, auf dem Lena Willikens bereits ordentlich Gas gab und die  ersten müden Gesichter gehörig durchwackelte. Die meisten waren allerdings erst wenig später wieder zu sehen, als David August abermals aufzeigte, in welche Richtung der Status Quo elektronischer Musik heute geht. Wir ließen es uns nicht nehmen eine Band zu sehen, die vor einem Jahr sicher noch niemand auf dem Melt! Erwartet hätte: AnnenMayKantereit. Umso erstaunter waren wir, als wir sahen, wie die Pop-Rock-Band aus Köln das Intro-Zelt gehörig zerlegtenund nahezu jeder Gast die Songs der Band um Henning May mitschreien konnten. 

>
IMG_0873.jpg

>
IMG_0883.jpg

>
IMG_0912.jpg

>
IMG_0938.jpg

Zeit für eine ausgiebige Pause. Zeit um zu reden. Zeit um Freunde zu treffen. Und schließlich Zeit, um uns auf das nächste Highlight des Abends einzustellen. Ladys and Gentleman, dürfen wir vorstellen? Italo Disco Mastermind Giorgio Moroder, der an diesem Abend das Warm Up für Pop Queen Kylie Minoque gab und mit „Love To Love Me Baby“ die jung gebliebene Kylie wunderschön ankündigte. Was nun geschah ist längst Gewchichte: Unter anhaltenden Kylie-Sprechchören, wurde die australische Sängerin pausenlos gefeiert und mit ihrem Nena-Cover „Nineteenine Red Ballons“ schließlich herzlichst von der Bühne verabschiedet.

Alles in Allem: Das Melt! Festival hat sich berechtigterweise und vor allem durch sein Line-Up, einer unvergleichlichen Location und einer makellosen Orga in den letzten Jahren länder- und genreübergreifend als eines der besten Festivals weltweit etabliert. 20.000 Besucher feierten in einem erstaunlich familiären und friedlichen Rahmen das dreitägige Event, wie wir es nur von kleineren Festivals kennen und uns von den großrahmigeren wünschen. Wer große, internationale Pop-Acts sehen will, der kommt hier genau so auf seine Kosten, wie derjenige, der gerne im kleinen Rahmen zu elektronischer Musik in den Sonnenaufgang tanzt. Ich tue mich wenig schwer damit zu behaupten, dass ich wieder kommen werde und stecke mindestens so viel Vertrauen in die kommenden Line-Ups, wie auch dem Gewissen, eines meiner schönsten Festivalerlebnisse hier zu anderer Zeit jederzeit wieder erleben zu können. You melt my heart.


Leave a Facebook Comment

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>