Sonar Festival 2013 x Barcelona x Review

by Tino

by Tino

Am 12. Juni ging ein lang
gehegter Wunsch in Erfüllung: Eine bunt zusammengewürfelte Reisegruppe stieg
in Berlin-Tempelhof in den Flieger. Das Ziel? Barcelona, genauer gesagt das
Sonar Festival!

Der Plan stand schon seit
Tagen: Da am Mittwoch das offizielle Sonar-Programm noch nicht stattfand,
widmeten wir uns einer der zahlreichen Off-Sonar Partys.

Allgemein muss man sagen, dass
sich die Reise nach Barcelona während des Sonar auch ohne ein Ticket für das
eigentliche Festival lohnt. Gerade wenn das Hauptaugenmerk auf DJ-Sets und
weniger auf Bands liegt, wird einem die volle Auswahl geboten. So spielten in
einer Woche u.a. Moodymann, Larry Heard, Dixon, Mano Le Tough, Ricardo
Villalobos
, Magda und so ziemlich jeder andere Schallplattenunterhalter, den
man sich wünschen kann an traumhaften Locations, teilweise sogar vollkommen
umsonst!

So verschlug es uns nach
unserer Ankunft auch direkt an den nahe gelegenen Strand, wo uns eine
Veranstaltung mit den Herren Technasia, Karotte und Norman Webber, besser
bekannt als eine Hälfte des Duos Luna City Express, erwartete.

Der Gewinner des Abends war
ganz eindeutig Karotte: Obwohl ich seine DJ-Sets eher kritisch sehe, lieferte
er einen komplett harmonischen Mix ab, der nicht nur meine Hände immer wieder
in die Luft riss. Als beim Innervisions-Überhit “Gotham” von Ten
Walls
auch noch der Strom kurzzeitig ausfiel und das Warten mit einem
euphorisch gefeierten Break überstanden war, gab es absolut kein Halten mehr.
Besser kann man den ersten Tag sicherlich nicht bestreiten.

by Tino

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Am Donnerstag stand die
Eröffnung des eigentlich Festivals an, Sonar by Day bot sogleich
klangvolle Namen wie Gold Panda, Metro Area, Todd Terje und Sébastien Tellier
an.

Das erste Set, das wir
miterleben durften war jedoch das von Tutu, einer jungen spanischen Dame die es
sichtlich genoss auf der großen Bühne zu stehen. Man konnte ihr die Freude
nicht nur am immer wieder aufblitzenden Lächeln ablesen, sondern vor allem auch
an der glückseligen Stimmung ihrer Plattenauswahl. Ein echtes Highlight,
gleich zu Beginn! Fantastic Mr. Fox legte mit seinem UK-House lastigen Live Set
die Messlatte für die nachfolgenden Künstler ebenfalls extrem hoch, was ihm
das Publikum mit donnerndem Applaus auch zu verstehen gab. Im Anschluss folgte
ein weiteres DJ Set von Gluteus Maximus, die vielleicht größte positive
Überraschung der ganzen Woche.

by Tino

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Wer es sich erlauben kann
“Love is in the Air” in seinen Mix einzubauen ohne dass es auch nur
ansatzweiße zu “cheesy“ rüberkommt, der hat es wirklich raus! Respekt! Nach einem
guten, wenn auch nicht großartigen Live Set von Gold Panda begaben wir uns auf
die Bühne der Red Bull Music Academy um uns Metro Area anzuschauen. Wir wurden
nicht enttäuscht! Wer die Live-Übertragung gehört hat, weiß wovon ich rede –
der typische Disco-Sound ließ einfach niemanden im Publikum auch nur eine
Sekunde ruhig stehen. Da an diesem Abend keine Sonar by Night Veranstaltung angesetzt war, begaben wir uns erschöpft aber glücklich in unser
Apartment um uns für den nächsten Tag zu stärken.

Den Freitag begannen wir mit
einem wunderbar break-lastigen Live Set von BeGun aus Spanien. Das erste
Konzert Highlight folgte mit der Band La Bien Querida, welche ich sofort als die spanische Version von
Marbert Rocel abstempelte. Zu ähnlich war der Auftritt der Iberer, welcher
definitiv einen bleibenden Eindruck bei mir hinterließ. Das gleiche kann man
vom folgenden Gig von Sisy Ey sagen, bei dem zum ersten Mal wirkliche Konzertstimmung
unter der strahlenden Sonne von Barcelona aufkam. Nach einer kurzen
Verschnaufpause folgte das mit Abstand beste DJ Set der gesamten Woche: Matthew
Herbert
! Wow…mehr kann man dazu eigentlich kaum sagen. Eine verrückte und noch
nie gehörte Platte nach der anderen feuerte der Mann aus Großbritannien ab, nur
um sein Set mit einem leckeren “Milkshake” von Kelis abzuschließen.
Wahnsinn, was für eine coole Socke! Der folgende Auftritt von Jamie Lidell
ging daraufhin leider etwas unter, obwohl es musikalisch auch bei ihm höchst
anspruchsvoll zuging. Das Publikum ließ sich aber nur begrenzt darauf ein.
Schade!

An diesem Abend stand ebenfalls
die erste Sonar by Night- Veranstaltung an, welche an einer anderen
Location als die Sonar by Day Veranstaltung stattfand. Das Ambiente
konnte man aufgrund der Größe der Location, die eher einem Stadion glich, nur
schwer als Festival bezeichnen. Während der ganzen Nachtveranstaltungen stellte
sich bei mir somit nie das Gefühl eines solchen ein. Das ist sicher nur
Geschmacksache, doch ist es wenig verwunderlich, wenn man sich die Festivals
hierzulande anschaut, welche imVergleich zum Sonar doch
eher winzig und familiär rüberkommen. Trotzdem gab es an diesem Abend einige
Acts zum mit der Zunge schnalzen: Kraftwerk beeindruckten mit einem
unglaublichen Sound, der die Mainstaige komplett füllte. Ihre 3D Show wurde bereits
nach kurzer Zeit etwas langatmig, über den beeindruckenden Klang ihrer Musik
lässt sich allerdings kaum streiten – wirklich beeindruckend! Nachdem Eats Everything ein wunderbar tanzbares House-Set
abgeliefert hatte, folgte nun der Höhepunkt des Abends: Das Konzert von Two
Door Cinema Club
. Ich wurde nicht enttäuscht, im Gegenteil. Unter freiem Himmel
rockten die Jungs aus Irland dermaßen gewaltig, das anschließende blaue Flecken
unvermeidbar waren. Wunderbar! Während auf der Mainstage alle EDM-Freunde
Tränen in den Augen gehabt haben dürften (Skrillex, Major Lazer, Diplo - was
will man als Anhänger der Musikrichtung
noch mehr?!), starteten auf den anderen Bühnen die Showcases von Rush Hour
(u.a. mit San Proper, Matthias Zimmermann) und ENTER, der Veranstaltungsreihe
von Richie Hawtin. Während besagter Hawtin den Abend mit einem typischen
Techno-Set beendete, spielte Maya Jane Coles ein unglaublich
abwechslungsreiches Set aus House und Techno. Während manche vielleicht
behaupten, dass sie keinen wirklichen roten Faden fand, würde ich sagen, dass
es eine willkommene Abwechslung zum doch sehr monotonen Auftritt von Paco Osuna
und eben Richie Hawtin war.

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Am dritten und somit
letzten Sonar-Tag auf dem Festivalgelände angekommen, gab es die große
Ernüchterung: Eine riesige Schlange stand vor dem Komplex in dem Beardyman
seine beeindruckende Liveshow vorführte. Keine Chance auf einen Blick oder
einen Ton – Abmarsch! Leicht gefrustet ging es auf die Open-Air-Bühne, auf der
wir sofort mit einem wunderbaren Konzert der Band Chromatics entschädigt
wurden. Eine Cover Version des Kate Bush Hits “Running Up That Hill”
war nur eines der Highlights. Da sich die vergangenen Tage doch langsam
bemerkbar machten, entschieden wir uns die architektonischen
Sehenswürdigkeiten den musikalischen vorzuziehen und begaben uns auf eine
ausführliche Sightseeing-Tour, welche uns die unglaubliche Schönheit von
Barcelona offenbarte. Nebenbei bemerkt kann ich jedem Skater, der die Stadt
einmal besucht nur wärmstens empfehlen, sein Skateboard einzupacken – das absolute
Mekka!

by Tino

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Erholt und zufrieden ging
es anschließend zum musikalischen Abschluss der Reise, Sonar by Night Teil 2! Wieder in den großen Hallen, wieder großartig besetzt: Pet Shop Boys,
2ManyDJs, Hot Natured, Seth Troxler und Justice waren nur einige der großen
Namen, die das Festival an diesem Abend bespielen sollten. Mein erster Weg
führte mich allerdings zur Open Air Bühne, quasi back to the roots: Jurassic
5
gaben ein Konzert! Die Hip-Hop Crew aus den USA heizte dem Publikum
ordentlich ein, auch wenn es die Tontechniker ein wenig mit der Lautstärke
übertrieben. Man sollte schon noch verstehen, was da eigentlich gerappt wird!
Anschließend ging es eine Halle weiter zu George Fitzgerald, der seiner starken
Releases absolut gerecht wurde und ein typisches UK-Garage-Set spielte. Absolut
überzeugend! Zum Abschluss des Abends hatte man die Qual der Wahl: Laurent
Garnier
, Seth Troxler und Luciano standen zur Auswahl für das letzte Set der
Nacht. Ich entschloss mich zu Seth Troxler zu tanzen, was definitiv die
richtige Entscheidung war. Der Amerikaner mixte verspulte Technotracks mit
euphorischen House-Hymnen, eine großartige Mischung. Seine charismatische Art
trug ebenfalls zur ausgelassenen Stimmung bei. Ein würdiger Abschluss!

So gingen vier großartige
Tage in Barcelona zu Ende, in denen eine Sache klar wurde: Was Festivals und
die dort herrschende Stimmung angeht, sind wir in Deutschland wirklich
verwöhnt! Das kam auch in den vielen Gesprächen mit anderen Besuchern heraus,
die auf meine Aussage, dass ich aus Deutschland komme, fast immer mit derselben
Antwort aufwarteten: “Oh, so this whole thing is nothing special
right?!”
Right. Man hat viele der Künstler die beim Sonar spielten jedes
Wochenende in Deutschland zu Gast, besonders wenn man in den DJ-Bereich schaut.
Wenn dann, wie teilweise bei den Tagesveranstaltungen des Sonar, keine
wirkliche Festivalstimmung aufkommt, zeigt man schnell mit dem Finger drauf und
meint: “Das haben wir aber jedes Wochenende im Sommer deutlich
besser!”.
Dabei sollte man das nicht als selbstverständlich ansehen und
sich lieber über die Dankbarkeit der Leute in Barcelona freuen, das ihnen ein
solches Festival seit nun mehr 20 Jahren ein unglaublich vielfältiges Lineup in
einer Umgebung bietet, die man in Deutschland vergebens sucht. Sonar, du warst
wunderbar! Hoffentlich bis nächstes Jahr!

Words and pictures by Tino. 

 

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